Man soll ja (und darf nicht?) als Anfänger wählerisch sein, aber was ist, wenn man als Kleindarsteller anfängt und vor hat irgendwann ein "richtiger" Schauspieler zu sein (mit größeren Rollen), läuft man nicht Gefahr sein Talent und Gesicht für fragwürdige Produktionen herzugeben? Fragwürdige Produktionen und Rollen, die dem (noch unentdeckten) Talent nicht nur wenig, sondern gar nicht gerecht werden.
Im TV z.B. gibt es etliche Dinge, die ich mir keine 5 Sekunden anschauen kann, geschweige denn dort mitspielen. Wirre, komische Handlungen, gepaart mit fragwürdigen Dialogen und die etwas sperrige, hölzerne Deutsche Sprache lassen die talentiertesten Schauspieler so erscheinen, als würden sie ihr Texte ablesen. Aktion - Reaktion: als würden die Schauspieler aneinander vorbeireden; Schaufensterpuppen mit Zetteln an den Stirnen "bin gerade wütend/traurig", dabei ist die Emotion auf dem Gesicht gepappt, statt IN dem Schauspieler. Als würden sich zig Schauspieler Emotionen borgen, und nicht aus sich rausholen.
Die Konzentration auf Komödien und Schnulzen, die nur in Deutschland ihr Publikom finden (Deutscher Humor ist nicht wirklich ein Exportschlager), lässt die Deutsche Filmlandschaft schwach aussehen. Und der Mangel and Geld und Mut und das Schielen auf die Quote und das ständige Hinterfragen und Zweifeln an neuen Projekten, Regisseuren und Schauspielern, ist kontraproduktiv und tödlich für neue Ideen.
Außerdem, hübsches Gesicht und ein klangvoller Name, die berühmte Ellenbogenmentalität und Kontakte, ist was erstmal zählt, noch vor "Talent". Und das noch in einem Land, wo Tatort und Kokowäääh als Highlights gelten. Da hat es ein blutiger Anfänger schwer und muss lange durch das Dickicht kriechen um was zu finden, was sowohl dem Zuschauer gefallen könnte, als auch ihm selbst (!), denn Projekte, sollte man nicht halbherzig angehen. Das ist auch die Voraussetzung für eine gute Leistung: Rollen die Sinn machen und Dialoge, die es Wert sind auf Filmmaterial verewigt zu werden. Mein Gesicht und meine Stimme, werden schließlich für eine Ewigkeit damit in Verbindung gebracht werden.
Man könnte sagen, man lässt alles auf sich zukommen. Aber es ist normal und war schon immer so, dass der Mensch, bevor er losgeht, sich ausmalt, wie die Reise aussehen könnte und welche Elemente sie möglichst nicht enthalten sollte. Und natürlich ist es nicht (!) naiv und auch nicht zu vermeiden, dass man sehnsuchtsvoll auf die großen Städte wie Paris, London, New York und Los Angeles schaut, wo man sehr sehr hart mit seinen (neuen) Künstlern umgeht, aber die Möglichkeiten, Fähigkeiten, Geldquellen und Ideen sind dort auf einem anderen Level. Man landet dort vielleicht schneller und härter auf dem Boden der Tatsachen, aber das hindert die zig tausenden Schauspieltouristen aus der ganzen Welt nicht. Aber hey, wer kann schon seine 7 Sachen einfach so packen und zu Alice ins Wunderland ziehen?
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